Das Dreieck, eine Genossenschaft wächst

Die Genossenschaft Dreieck ist 1986 aus dem Widerstand gegen die Pläne der Stadt Zürich entstanden. Wohnqualität zu vernünftigen Mieten ist bis heute das Selbstverständnis der Genossenschaft Dreieck.

Die Stadt Zürich plante 1986 den Abbruch von sieben Wohnhäusern und dem damaligen
Hofgebäude, dem heutigen Innenhofhäuschen, Häuser, die damals als Notwohnungen genutzt
wurden zu Gunsten des Express-Schnellstrassen-Y. Einige Bewohnerinnen beschlossen, gegen diese Pläne vorzugehen und gaben ein Gutachten in Auftrag, das zum Schluss kam, dass keines der Gebäude abbruchreif war.
1987 führte die Stadt Zürich einen Architekturwettbewerb für eine neue Überbauung durch, doch es wurde Widerstand geleistet: Die Architektinnen wurden bei der Besichtigung des Areals mit einem Baunetz vorübergehend gefangen genommen. Auf einem Flugblatt hiess es: «Die Totengräber kommen!».

Die Architekten werde symbolträchtig während der Begehung des Areals mit einem Netz gefangen

Im Hallenstadion in Oerlikon, wo die Architekturmodelle des Wettbewerbs gelagert wurden, wurde eingebrochen, die Modelle verschwanden.
Der Wettbewerb wurde trotzdem durchgeführt, doch die damalige SP-Stadträtin Ursula Koch war mit dem Ergebnis derart unzufrieden, dass das Projekt nicht vom Fleck kam. 1988 wurde der Verein das Dreieck gegründet. Man beschloss, die Planung für das Areal selbst in die Hände zu nehmen, dabei arbeiteten die beteiligten Architekturbüros gratis. Ziel war es, die Häuser zu erhalten und sanft zu renovieren. Zwischenzeitlich wurde das Haus an der
Zweierstrasse 50 abgebrochen.

Abbruch der Liegenschaft Zweierstrasse 50 durch die Stadt Zürich 1988

In der entstandenen Baulücke fand 1988 ein Sommerfest mit Musik und Feuerwerk statt. Es wurde eine «Zeitung gegen die Zerstörung des Dreiecks» herausgegeben.

«Zeitung gegen die Zerstörung des Dreiecks»

Und so langsam liessen sich Fachleute, Verbände, Gemeinderät*innen davon überzeugen, dass das Dreieck erhalten werden sollte. Der Verein trieb Geld auf zur Gründung der Genossenschaft Dreieck, die 1996 von der Stadt Zürich schliesslich das Baurecht erhielt.

Der Tages Anzeiger vom 15. Februar 1996 berichtet über die Übernahme des Dreiecks im Baurecht

Die ersten Bauarbeiten begannen. Im Innenhof wurde eine Litfasssäule aufgebaut, die permanent
Auskunft über den Stand der Finanzierung gab.

Das eigens gegründete Bauunternehmen «Bauhütte» erlaubte es den im Dreieck ansässigen
Handwerkerinnen, sich bei der Sanierung einzubringen. Die Hofgebäude wurden saniert und bis 2000 komplett erneuert. Die Neubauten Gartenhofstrasse 27 und Zweierstrasse 50 wurden bewilligt, und 2002 kaufte die Genossenschaft das Haus an der Ankerstrasse 11 dazu. Engagierte Genossenschafter*innen zogen weiter und beteiligten sich am Projekt Kalkbreite.

Heute möchten viele hier wohnen, zu diesen Preisen, an dieser tollen Lage, und viele sind sich
dabei nicht bewusst, dass das Dreieck das Ergebnis eines hartnäckigen Kampfes war, gegen die
Stadt Zürich und gegen die Kräfte des Immobilienmarkts.

Hier lesen Sie die ganze Geschichte chronologisch

In den vergangenen Jahren –neben der Beteiligung am erfolgreichen Projekt Genossenschaft
Kalkbreite– wurde immer wieder versucht, das Engagement für guten Wohnraum weiterzuführen.
Allerdings je heisser der Markt in der Stadt Zürich war, desto aussichtsloser war es, Gebäude erwerben zu können. Und gerade dachte die Genossenschaft Dreieck darüber nach, wieder mit der Stadt Zürich zu
verhandeln: Das Jugendfoyer zu verbessern und mit einer Überbauung preisgünstigen Wohnraum
zu schaffen, als sie –nach Jahren des Überbotenwerdens –quasi aus Versehen– zu 4 Häuser im Quartier kam. Im Oktober 2018 erschien im «Tages-Anzeiger» ein Artikel, der grosse politische Wirkung zeigte: Die private Förderstiftung der städtischen Musikschule Konservatorium Zürich wollte vier Häuser verkaufen und dabei maximalen Gewinn erzielen, die befürchtete Folge: explodierende Mieten auch hier.
Eine Motion im Gemeinderat wollte vom Stadtrat wissen, warum die Häuser dem Markt nicht entzogen wurden, um den genossenschaftlichen Wohnanteil in der Stadt zu erhöhen. An der ausserordentlichen GV wurde der Häuserkauf für über 17.5 Millionen Franken von den Genossenschafter*innen einstimmig genehmigt.

Ein historischer Moment: Die ausserordentliche GV bewilligt den Kauf der neuen Häuser

2020 umfasst die Genossenschaft Dreieck 17 Häuser, 86 Wohnungen und 36 Gewerberäume. Es
leben über 180 Bewohner*innen hier, dazu 70 Arbeitende.
Das Ziel ist sich über all die Jahre gleich
geblieben: Wachsen, um Wohnraum zu erhalten, den Menschen sich leisten können.

29. November 2018, die Unterzeichnung des Kaufvertrags für die neuen Häuser auf dem Notariat Aussersihl